Bevölkerung im Fluss – Weiterführende Informationen

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AutorTitelDatumObjektbeschreibungInhaltRechteEinordnung
Autor*in: Qi, Wei, Guy J Abel, Raya Muttarak, und Shenghe LiuTitel: Cicular visualization of China’s internal migration flows 2010 – 2015; hier: Figur 1: Bilateral migration flows during 2010-2015 in China (unit: million). https://doi.org/10.1177/0308518X17718375. https://www.researchgate.net/figure/Bilateral-migration-flows-during-2010-2015-in-China-unit-million_fig1_320951281Entstehungsdatum & -ort: 2017Objektbeschreibung: Es handelt sich um die Abbildung 1 im o.g. Artikel: Figure 1.Thema/Bildinhalt: Bilaterale Migrationsströme in China zwischen 2010 und 2015Bildrechte: CC BY-NC 4.0Einordnung: Die Erfassung als Bürger der VR China geschieht zunächst auf nationaler Ebene: Um Bürger*in der VR China zu sein, bedarf es gemäß der Verfassung von 1984 und dem Staatsangehörigkeitsgesetz von 1980 mindestens eines chinesischen Elternteils. Während die Staatsangehörigkeit nach außen abgrenzt, hat der chinesische Staat darüber hinaus aber nach innen -jenseits der ebenfalls in der Verfassung festgehaltenen Gleichstellung aller Bürger*innen mit chinesischer Staatsbürgerschaft- über das System der Haushaltsregistrierung (hukou 户口) ab 1955 ein System aufgebaut, das über eine offizielle Registrierung zwischen Bewohnern städtischer und ländlicher Regionen unterscheidet. Mit der Schaffung der Haushaltsregistrierung wurden zwei getrennte Lebensräume festgeschrieben, die die jeweils zugeordneten Personen mit unterschiedlichen individuellen Rechten und Pflichten ausstatteten. (Guo 2014, 5–8). Gemäß bereits im Jahr 1958 erlassenen Durchführungsbestimmungen (Abs. 10) 1chin. Version: 中华人民共和国户口登记条例_百度百科 (baidu.com) durften Einwohner*innen ländlicher Regionen nicht in Städte ziehen, insofern sie nicht von städtischen Arbeitsämtern oder Bildungseinrichtungen eine entsprechende Genehmigung erhalten hatten. Für Aufenthalte, die länger als 3 Tage dauern sollten, mussten bei den städtischen Ämtern für Haushaltsregistrierungen temporäre Aufenthaltsgenehmigungen beantragt werden. Angestrebt wurde damit, die landwirtschaftliche Produktion sicherzustellen. 1979 wurden im Rahmen der Reform- und Öffnungspolitik erste Lockerungen spürbar, die unmittelbar mit dem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften in städtischen Regionen zusammenhingen: Landbewohner*innen konnten wieder ohne Genehmigungen und zeitliche Limitierung in Städte reisen und dort arbeiten. Nichtsdestotrotz limitierte das bestehende Haushaltsregistrierungssystem die Optionen der Landbevölkerung, da sämtliche Sozialleistungen (Schulbesuchsrecht für Kinder, Wahlrecht auf Dorfebene, medizinische Versorgung etc.) an den ländlichen Status gebunden blieben und damit weiterhin nicht in Städten zur Verfügung standen. (Guo 2014, 10; K. W. Chan 2010) Reformen des Haushaltsregistrierungssystems ab 2014 geben chinesischen Städten mehr Möglichkeiten, den Zuzug selbst zu regulieren. Große Städte wie Shanghai und Peking verwenden dabei weiterhin ein striktes Punktesystem, das hohe Schranken für die Erlangung einer lokalen Registrierung beinhaltet. (Zhang und Hoekstra 2020, 3,4)

Die Autor*innen des Artikels, dem die Grafik entnommen ist, berichten zum Hintergrund der dargestellten Daten, dass sich der Prozess der Urbanisierung - der Zuzug aus ländlichen in städtische Räume - in China mit der Periode der Reform und Öffnung (ab Ende der 70er Jahre) stark beschleunigt hat. Die Mobilität der Menschen wurde verstärkt durch neue Jobmöglichkeiten, ein Lohngefälle sowie unterschiedlich gute Sozialdienstleistungen in Stadt und Land. (Qi u. a. 2017, 2432) Unterstützt wird sie auch durch verbesserte Infrastruktur (vgl. hierzu Modul China unter der Lupe). 200-250 Millionen Wanderarbeiter machten sich auf den Weg, um in den wohlhabenderen und besser entwickelten Küstenregionen Chinas Arbeit zu suchen, und Mitte der 2010er Jahre erwartete die chinesische Regierung bis zum Ende der Dekade weitere 100 Millionen neue Arbeitsmigrant*innen. 2Die von den Autor*innen verwendeten Daten basieren auf Zahlen einer Nationalen Stichprobenerhebung der Abteilung für Bevölkerungs- und Beschäftigungsstatistik des Nationalen Statistikbüros aus dem Jahr 2015.


Das Diagramm zeigt die Bewegungsströme zwischen den 31 Provinzen/Regionen Chinas. Jede dieser 31 Provinzen/Regionen steht also jeweils mit 30 anderen Provinzen/Regionen in Kontakt, woraus sich 930 „Stränge“ bilden, die die Bewegungen darstellen. Um eine bessere Übersicht zu ermöglichen, haben die AutorInnen folgende Gestaltungselemente genutzt:

  • Über die Pfeilspitzen wird die Bewegungsrichtung verdeutlicht.
  • Die Dicke der Stränge/Pfeile bildet das Volumen der Bewegung ab.
  • Die 31 Regionen/Provinzen sind farblich in vier Großregionen (Osten, Zentrum, Westen, Nordosten) unterteilt. Räumlich einander naheliegende Provinzen sind so nahe wie möglich beieinander abgebildet.
  • Größere Bewegungsströme werden oberhalb von kleineren Bewegungsströmen gedruckt.

Die Abbildung verdeutlicht, dass die größten Migrationsströme in China ihren Ursprung in zentralen oder westlichen Landesteilen haben und sich Richtung Osten bewegen. Im abgebildeten Zeitraum war der größte Migrationsstrom der von Hunan nach Guangdong, also in die Provinz, die die meisten Migranten aufnahm. Zhejiang, Jiangsu, Shanghai, Beijing und Tianjin waren ebenfalls beliebte Migrationsziele, während Henan, Anhui, Hunan, Sichuan und Hubei wichtige Entsenderegionen waren. (Qi u. a. 2017, 2435) Für eine schnellere Orientierung ist eine zweite Karte erstellt worden, auf der die Provinzen (farblich der Hauptkarte angepasst) abgebildet sind.


(Stefanie Elbern, Mai 2021)

 

Verwendete Literatur

Chan, Kam Wing. 2010. The Household Registration System and Migrant Labor in China: Notes on a Debate. Population and Development Review 36, Nr. 2 (16. Juni): 357–364. http://doi.org/10.1111/j.1728-4457.2010.00333.x, http://doi.wiley.com/10.1111/j.1728-4457.2010.00333.x (zugegriffen: 7. Mai 2021). Zitieren
Guo, Zhonghua. 2014. Nationality, Hukou, and Ethnicity: The Institutional Structure of Citizenship in Contemporary Mainland China. Cambridge Journal of China Studies 9, Nr. 4: 19. https://core.ac.uk/download/pdf/35282058.pdf. Zitieren
Qi, Wei, Guy J Abel, Raya Muttarak und Shenghe Liu. 2017. Circular visualization of China’s internal migration flows 2010–2015. Environment and Planning A: Economy and Space 49, Nr. 11: 2432–2436. http://doi.org/10.1177/0308518X17718375, http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0308518X17718375 (zugegriffen: 16. März 2021). Zitieren
Zhang, Qian und Joris Hoekstra. 2020. Policies towards Migrants in the Yangtze River Delta Urban Region, China: Does Local Hukou Still Matter after the Hukou Reform? Sustainability 12, Nr. 24 (14. Dezember). http://doi.org/10.3390/su122410448, https://www.mdpi.com/2071-1050/12/24/10448 (zugegriffen: 7. Mai 2021). Zitieren