Wissenschaft

Das heute gebräuchliche chinesische Wort für Wissenschaft - kexue 科学 - stammt aus dem Japanischen. Nach China importiert wurde es um 1900 von aus dem japanischen Ex​il zurückkehrenden chinesischen Intellektuellen. Sie
verwendeten das Wort nach ihrer Rückkehr vor allem in Bezug auf westliche
Wissenschaften. Dabei wurde die von Reformern in China Ende des 19. Jahrhunderts
wahrgenommene Überlegenheit westlicher Länder vor allem mit deren Wissenschaften und dem Fehlen von Wissenschaftseinrichtungen und
kontinuierlicher wissenschaftlicher Praxis nach diesem Modell in China in Verbindung gebracht. Konservative
Kräfte betonten hingegen, dass alle Entdeckungen und Erfindungen des Westens
auch in China existiert oder aber sogar chinesische Ursprünge hatten. Die Frage
nach Chinas eigener Wissenschaftsgeschichte war daher entscheidend für die Beurteilung der
Modernisierbarkeit des Landes. Innerhalb der Reformbewegung des 4. Mai (Wusi yundong 
五四运动) wurden „Herr Demokratie“ und „Herr Wissenschaft“ (De Xiansheng 德先生 und Sai X​iansheng 赛先生) 1919 zu Kernbegriffen für die angestrebte
Überwindung von politischer, moralischer, akademischer und intellektueller Rückständigkeit
des Landes. Dieser Blick auf Chinas Wissenschaftsgeschichte bestimmt bis heute Teile der von Xi Jinping ausgerufenen "Erneuerung des Landes".​

Weiterführende Informationen:

Amelung (siehe Juris-M Glossarliteratur); Xi Jinping-Rede

Synonyme:
kexue 科学
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