Namen (chinesische)

​Bei chinesischen Namen wird zuerst der Familienname (xing 姓) genannt, dann der Vorname (ming 名). In der Regel bestehen Familiennamen aus einem Zeichen (seltener 2), Vornamen aus ein bis zwei Zeichen (z.B. Zhang Yimou 张艺谋, Wang Yi 王毅). Längere Zeichenkombinationen bei Namen deuten auf eine nicht-chinesische Herkunft des Namens bzw. der Person hin, bei dem der Name phonetisch umgeschrieben wurde (Angela Merkel: Angela Moke’er 安格拉·默克尔). Die drei häufigsten der heute verwendeten ca. 3.000 Familiennamen Li 李, Zhang 张 und Wang 王 machen mehr als 15% aller Familiennamen aus. Häufig beziehen sich die Familiennamen auf antike Staaten, Orte oder topographische Besonderheiten, alte offizielle Titel oder Berufe sowie Herrschernamen. Traditionell wurde der Familienname des Vaters an die Kinder weitergegeben. Dies änderte sich erst im 20. Jahrhundert und heute können Frauen bei der Eheschließung ihren eigenen Familiennamen ebenso behalten wie gemeinsame Kinder den Familiennamen der Mutter erhalten können.

Auf den Vornamen können verschiedene Faktoren Einfluss nehmen: Vornamen änderten sich traditionell im Verlauf eines Menschenlebens je nach Lebensabschnitt. Sie enthielten (und enthalten ggf. auch heute noch) Hinweise auf die Position des Namensinhabers innerhalb der Geschwister/Familie. Üblich waren bzw. sind auch Elemente, die von traditionellen Philosophien und klassischen Texten abgeleitet oder übernommen sind. Einen heute verwendeten Vornamen/Namen zu übersetzen ist möglich, aber in aller Regel nicht sinnvoll – abgesehen davon, dass Namen positive Konnotationen besitzen, ist die konkrete Bedeutung für Chinesen häufig nur dann relevant, wenn einzelne Zeichen (z.B. auf dem Amt) eindeutig identifiziert werden sollen.

Sowohl Schriftsteller und Künstler wie auch Kaiser werden oft mit unterschiedlichen Namen adressiert (Künstlernamen, Spitznamen, an einem persönlichen Stil ausgerichtete Namen, Höflichkeitsbezeichnungen, Regentschaftsnamen, Tempelnamen, Ehrentitel nach dem Tod etc.). So wurde der vierte Kaiser der Qing-Dynastie bei seiner Geburt Aixinjueluo Hongli 愛新覺羅弘曆 – ein Hinweis darauf, dass die herrschenden Mandschuren der Qing-Dynastie keine Han-Chinesen waren – genannt, eine übliche kürzere Anrede war „Prinz Bao“ 寶親王; sein Tempelname lautete Gaozong 高宗, „Hoher Ahne“ und sein Ehrenname Chundi 純帝, „Reiner Kaiser“. Seiner Regierungszeit gab er den Titel Qianlong 乾隆, "Himmlisches Gedeihen". Auch unter Historiker*innen wurde er meist als der „Qianlong Kaiser“ bezeichnet. Weil es sich dabei um eine selbstgewählte Regierungsdevise und nicht um einen persönlichen Namen handelt, wird daher meist vom "Qianlong Kaiser" und nicht vom "Kaiser Qianlong" gesprochen.

Weiterführende Informationen:

Wilkinson, Endymion Porter. 2018. Chinese history: a new manual. Fifth edition. Harvard-Yenching Institute monograph series 100. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Asia Center, for the Harvard-Yenching Institute (S. 96 f.)