Kiautschou

Kiautschou (oder Kiaotschau) ist eine alte deutsche Umschrift für die seit Jahrhunderten bedeutsame chinesische Handelsstadt Jiaozhou 胶州 an der Ostküste Chinas in der Nähe von Qingdao 青岛.
Der Mord an zwei deutschen Missionaren am 01. November 1897 diente der deutschen Regierung und Kaiser Wilhelm II. dann als Vorwand, die Jiaozhou-Bucht zu besetzen. Angesichts der militärischen Übermacht der deutschen Flotte lenkte die chinesische Regierung ein und unterzeichnete im März 1898 einen Vertrag, der die Jiaozhou-Bucht für 99 Jahre an Deutschland verpachtete. Die Deutschen nannten ihre Kolonie in China daher „Schutzgebiet Kiautschou“. Das Gebiet der deutschen Kolonie umfasste hauptsächlich die von Jiaozhou aus zirka 40 Kilometer entfernte Stadt Qingdao (alte deutsche Umschrift: Tsingtau oder Tsingtao) und umliegende Dörfer. In der frühen Zeit der deutschen Kolonialherrschaft gab es unterschiedliche Transkriptionen des chinesischen Namens – teilweise wurde statt der offiziellen Umschrift Kiautschou auch von Kiaotschau gesprochen.
Die deutsche Kolonie hatte eine Fläche von zirka 550 Quadratkilometern – und war damit etwas größer als der Bodensee. Die Stadt Jiaozhou selbst lag nicht in der Kolonie, sondern in einer 50 Kilometer breiten neutralen Zone um die deutsche Kolonie herum. In dieser Zone durften sich deutsche Soldaten frei bewegen und chinesische Anordnungen nur mit deutscher Zustimmung gegeben werden. Über diese Zone hinaus erstreckte sich die deutsche Einflusszone, in der deutsche Firmen beispielsweise eine Eisenbahnlinie errichteten und Erz abbauten. 17 Jahre – bis 1914 als japanische und britische Truppen im Ersten Weltkrieg die Kolonie eroberten – blieb Qingdao deutsche Kolonie.​​
Synonyme:
Jiaozhou, Kiaotschau
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