Aus der Werkstatt: Der 180. Jahrestag des Vertrags von Nanjing

Vertrag von Nanjing

Am 29. August 2022 jährt sich die Unterzeichnung des Vertrags von Nanjing zum 180. Mal. Was auf den ersten Blick wie eine Fußnote der Geschichte erscheinen mag, ist jedoch höchst politisch. Die Niederlage der Qing-Dynastie im Opiumkrieg gegen Großbritannien und die Unterzeichnung des Vertrags von Nanjing 1842 werden von der Kommunistischen Partei Chinas als Beginn der modernen Geschichte Chinas und gleichzeitig als Anfang eines Jahrhunderts der Schande betrachtet. Denn auf den Vertrag von Nanjing folgte eine Reihe weiterer Verträge in der ausländische Staaten China durch Waffengewalt zur Zahlung von Reparationen, Öffnung von Handelshäfen, Verpachtung von Kolonien oder Gewährung besonderer Rechte für Ausländer in China zwangen. Wie kam es dazu? Warum spielt dies auch heute noch eine große Rolle in der Volksrepublik China? Und was stand eigentlich im Vertrag von Nanjing?

I. Die Vorgeschichte: Der Opiumkrieg

Mit gutem Tee verbinden wir heutzutage vor allem indische Ortsnamen wie Darjeeling oder Assam. Ursprünglich wuchs Tee jedoch nur in China. China hatte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Monopol auf Tee. Wie andere chinesische Güter, etwa Seide und Porzellan, war Tee in Europa eine begehrte Ressource. 1800 wurden beispielsweise über 13 Mio. Pfund Tee nach England importiert, das damals eine Bevölkerung unter 20 Millionen hatte. Der Handel mit China war aus Sicht Großbritanniens und anderer europäischer Staaten problematisch: Durch den Kauf von Waren wie Tee floss sehr viel Silber nach China, ohne dass China seinerseits mit diesem Silber Waren europäischer Händler kaufte. Großbritannien reagierte doppelt auf dieses Handelsdefizit: Teepflanzen wurden um 1841 aus China nach Indien geschmuggelt, um dort angebaut zu werden. Gleichzeitig begannen britische Händler damit, die in Indien produzierte Droge Opium nach China zu exportieren.

Als im Juni 1839 die Qing-Regierung gegen den Opiumschmuggel hart durchgriff und 1000 Tonnen britisches Opium im südchinesischen Handelshafen Kanton (Guangzhou 廣州) vernichtete, entsandte Großbritannien ein Marinegeschwader nach China. Die militärisch-technologische Überlegenheit der Briten und die Schwierigkeit, die Städte und Häfen entlang der langen chinesischen Küste effektiv zu schützen, führten zu einer Niederlage der Qing.

Im August 1842 unterzeichneten die Qing-Regierung und Großbritannien den Vertrag von Nanjing. Neben Reparationen und der Abtretung Hongkongs an Großbritannien (siehe dazu auch unsere Materialien zur Geschichte Hongkongs) mussten fünf chinesische Häfen für den freien Handel mit Großbritannien geöffnet werden – Handelsbeschränkungen für britische Händler wurden reduziert.

Die Unterzeichnung des Vertrags von Nanjing 1842. Rot markiert ist der deutsche Missionar Karl Gützlaff. (John Platt: “The Signing and Sealing of the Treaty of Nanking in the State Cabin of H. M. S. Cornwallis, 29th August, 1842”. Quelle.)

Exkurs: Wie ein deutscher Missionar den Briten half 
Karl Gützlaff (1803-1851) war ein deutscher protestantischer Missionar, der 1827 nach Ostasien geschickt wurde. In Ostasien (unter anderem Siam, China, Korea) umherreisend schrieb er 1831 in sein Tagebuch: „Mein Aug ist nun ganz auf China gerichtet, nicht aus eigner Wahl, sondern aus Überzeugung daß der Herr mir diesen Weg weist und darin mein Gebet erhört. Ich will die 100 Millionen [Chinesen] an das hohepriesterliche Herz des Herrn Jesus legen.“ In den folgenden Jahren ab 1832 bereiste Gützlaff China und sammelte dabei auch für die britische Ostindien-Kompanie Informationen. Als der Opiumkrieg im Sommer 1841 fast schon ein Jahr tobte schrieb Gützlaff in sein Tagebuch: „Als Christen haben wir nichts mit dem Krieg zu tun.“ Tatsächlich spielte Gützlaff – der fließend Mandarin sprach und gute Kontakte zu Chinesen hatte – für die Briten eine wichtige Rolle: Er stand im Zentrum eines Netzwerkes von chinesischen Spionen, die die Briten mit wichtigen Informationen versorgten. Er war auch an der offiziellen Übersetzung des Vertrags von Nanjing ins Chinesische beteiligt.

II. Das Nachleben: Das „Jahrhundert der Schande“

Der Vertrag von Nanjing gilt als erster der sogenannten „Ungleichen Verträge“ (bu pingdeng tiaoyue 不平等条约), in denen ausländische Staaten China durch Waffengewalt zur Zahlung von Reparationen, Öffnung von Handelshäfen, Verpachtung von Kolonien oder Gewährung besonderer Rechte für Ausländer in China zwangen. Die Zeit zwischen dem Opiumkrieg 1840 und der Gründung der Volksrepublik China 1949 – in der diese Verträge geschlossen wurden und meist wirksam waren – wird im Sprachgebrauch der Volksrepublik China als „Jahrhundert der Schande“ (bainian guochi 百年国耻) bezeichnet. Chinas Souveränität in Wirtschaft und Politik wurde stark eingeschränkt. Und auf kultureller Ebene entwickelten beziehungsweise verstärkten sich in dieser Zeit negative und rassistische Vorstellungen über China und die Chines*innen als rückständig oder minderwertig.

Der Begriff „Ungleiche Verträge“ wurde allerdings erst in den 1920er-Jahren in China geprägt – knapp 80 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrags von Nanjing 1842. Denn in den 1920er-Jahren hatten sich verschiedene politische Gruppierungen in China (sowohl Nationalisten als auch Kommunisten) den Kampf gegen den Imperialismus auf die Fahnen geschrieben. Das Schlagwort der „Ungleichen Verträge“ war ideal, um die Massen zu mobilisieren und politische Legitimität zu gewinnen. 

Auch heute noch ist die Erinnerung an den Opiumkrieg, den Vertrag von Nanjing und die ungleichen Verträge eine wesentliche Legitimationsquelle für die KPCh. Das „Jahrhundert der Schande“ und die „nationale Schmach“ bilden aus Sicht der Kommunistischen Partei Chinas den Gegenpol zum Aufstieg Chinas seit Gründung der VR China. Es war aus Sicht der Partei Mao Zedong, der mit der Gründung der Volksrepublik China, China als souveränen Staat wieder erstarken lies; und nach Maos Tod Deng Xiaoping, der China durch wirtschaftliche Reformen wieder reich machte. Der aktuelle Staatschef Xi Jinping sieht es nun als seine Aufgabe an, dem Land seinen „rechtmäßigen“, einflussreichen Platz, den es vor dem 19. Jahrhundert innehatte, zurückzugeben und so, mit seinem Konzept vom „Chinesischen Traum“ (Zhongguo meng 中国梦) eine „Renaissance Chinas“ (fuxing 复兴) zu bewirken. 

Skulptur in einem Park in der Provinz Guizhou 贵州 im Südwesten der Volksrepublik China. Vor dem Hintergrund eines roten Knotens, der Glück und Frieden symbolisiert, steht links oben „Chinesischer Traum“. Unterhalb der Friedenstaube steht: „Das Land reich und stark werden lassen. Die Nation erneuern. Der Bevölkerung Glück bringen.“ (Huangdan2060: “Chinese Dream” in South Lake Park, Panzhou, Guizhou. 2019. Quelle.)

Beispielhaft kommt diese Sichtweise im Text „Der ‚Vertrag von Nanjing‘ war der Beginn des Jahrhunderts der Schande“ zum Ausdruck, den Guo Weidong, Professor für Neuere Geschichte an der renommierten Peking Universität aus Anlass des 180. Jahrestags des Vertrags von Nanjing am 16.07.2022 veröffentlichte:

„In diesem Jahr jährt sich die Unterzeichnung des sino-britischen Vertrags von Nanjing zum 180. Mal. Am 29. August 1842 wurde der erste ungleiche Vertrag in der modernen chinesischen Geschichte – der Vertrag von Nanjing zwischen China und Großbritannien – unterzeichnet. Mit ihm begann mehr als ein Jahrhundert der demütigenden Geschichte Chinas als halbkoloniale und halbfeudale Gesellschaft. Der Vertrag von Nanjing und seine Anhänge untergruben Chinas rechtliche und territoriale Souveränität schwer und schufen einen Präzedenzfall für die Ausweitung der Invasion Chinas durch die Großmächte. Danach war das moderne China gezwungen, nach und nach hunderte von ungleichen Verträgen mit den Großmächten zu unterzeichnen, die die chinesische Nation wie eine eiserne Kette in den Abgrund der Demütigung gezogen und gesperrt haben. Der Vertrag von Nanking ist somit die „Mutter“ und „Ahnherrin“ der ungleichen Verträge zwischen den Großmächten und China.“

Guo Weidong

Originaltext

„今年是中英《南京条约》签订180周年。1842年8月29日,中国近代历史上第一个不平等条约——中英《南京条约》签订,开启了中国百余年屈辱的半殖民地半封建社会史。《南京条约》及其附件,严重损害了中国领土、司法等主权,更为列强扩大对华侵略制造了先例。此后,近代中国被迫与列强陆续签订数以百计的不平等条约,如一道道铁链,将中华民族拖入、困锁在屈辱的深渊。因此,《南京条约》堪称列强对华不平等条约的“母约”与“祖本”。

Der Text stammt aus der wissenschaftlichen Zeitschrift „Historical Review“ 历史评论, des 2019 unter Xi Jinping gegründeten „Instituts für chinesische Geschichtsforschung“ 中国历史研究院. 


Weitere Materialien


III. Das historische Dokument: Der Vertrag von Nanjing

Im Folgenden wurde der am 29. August 1842 unterzeichnete Vertrag von Nanjing ins Deutsche übersetzt.

Ihre Majestät, die Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, und Seine Majestät, der Kaiser von China, haben in dem Wunsch, die Missverständnisse und die daraus resultierenden Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern zu beenden, beschlossen, zu diesem Zweck einen Vertrag zu schließen. Sie haben daher zu ihren Bevollmächtigten ernannt, nämlich:
Ihre Majestät, die Königin von Großbritannien und Irland, Sir Henry Pottinger, Baronet, Generalmajor im Dienste der Ostindien-Kompanie etc., etc.; und Seine Kaiserliche Majestät der Kaiser von China, die Hohen Beauftragten Keying, Mitglied des Kaiserhauses, Beschützer des Kronprinzen und General der Garnison von Kanton [Guangzhou 廣州]; und Elepoo, von kaiserlichem Geblüt, dem gnädigerweise erlaubt wurde, die Insignien des ersten Ranges und die Auszeichnung der Pfauenfeder zu tragen, zuletzt Minister und Generalgouverneur etc., und jetzt kommandierender Generalleutnant in Chapoo [Zhapu 乍浦]: Die, nachdem sie sich gegenseitig ihre jeweiligen Vollmachten mitgeteilt und für gut und angemessen befunden haben, die folgenden Artikel vereinbart und beschlossen haben:

Artikel 1

Es soll fortan Frieden und Freundschaft herrschen zwischen Ihrer Majestät, der Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, und Seiner Majestät, dem Kaiser von China, sowie zwischen ihren jeweiligen Untertanen, die im Herrschaftsbereich des anderen volle Sicherheit und Schutz für ihre Personen und ihr Eigentum genießen.

Artikel 2

Seine Majestät, der Kaiser von China, stimmt zu, dass britische Untertanen mit ihren Familien und Haushalten unbelästigt und unbehindert Einschränkung in den Städten Kanton [Guangzhou 廣州], Amoy [Xiamen 廈門], Foochow-fu [Fuzhou 福州], Ningpo [Ningbo 寧波] und Shanghai wohnen dürfen, um dort ihren Handelsgeschäften nachzugehen; und dass Ihre Majestät, die Königin von Großbritannien etc., Superintendenten oder Konsularbeamte ernennen wird, die in jeder der oben genannten Städte oder Orte wohnen, um das Kommunikationsmedium zwischen den chinesischen Behörden und den besagten Kaufleuten zu sein, und um dafür zu sorgen, dass die im Folgenden genannten gerechten Verpflichtungen und andere Schuldigkeiten der chinesischen Regierung gegenüber den Untertanen Ihrer Britischen Majestät ordnungsgemäß erfüllt werden.

Artikel 3

Da es offensichtlich notwendig und wünschenswert ist, dass die britischen Untertanen einen Hafen haben, in dem sie ihre Schiffe bei Bedarf anlegen und neu ausrüsten sowie Vorräte für diesen Zweck aufbewahren können, überlässt Seine Majestät, der Kaiser von China, Ihrer Majestät, der Königin von Großbritannien etc., die Insel Hong-Kong, auf dass diese auf alle Zeit Besitz Ihrer Britischen Majestät, Ihren Erben und Nachfolgern sei und den Gesetzen und Verordnungen unterliege, die Ihre Majestät, die Königin von Großbritannien etc., zu erlassen gedenkt. 

Artikel 4

Der Kaiser von China stimmt zu, die Summe von sechs Millionen Dollar als Wert des Opiums zu zahlen, das im März 1839 in Kanton als Lösegeld für das Leben des Superintendenten sowie der Untertanen Ihrer Britischen Majestät, die von den hohen chinesischen Beamten inhaftiert und mit dem Tode bedroht worden waren, abgeliefert wurde.

Artikel 5

Während die chinesische Regierung die in Kanton Handel treibenden britischen Kaufleute gezwungen hat, ausschließlich mit bestimmten chinesischen Kaufleuten zu handeln, die Hong-Kaufleute (oder Cohong) genannt werden und von der chinesischen Regierung zu diesem Zweck lizenziert worden waren, stimmt der Kaiser von China zu, diese Praxis in Zukunft in allen Häfen, in denen britische Kaufleute ansässig sein mögen, abzuschaffen und ihnen zu erlauben, ihre Handelsgeschäfte mit wem immer sie möchten durchzuführen; Seine kaiserliche Majestät stimmt ferner zu, an die britische Regierung die Summe von drei Millionen Dollar aufgrund von fälligen Schulden einiger der besagten Hong-Kaufleute (oder Cohong), die zahlungsunfähig geworden sind und Untertanen Ihrer Britischen Majestät sehr hohe Geldsummen schulden.

Artikel 6

Da sich die Regierung Ihrer Britischen Majestät gezwungen sah, eine Expedition auszusenden, um Wiedergutmachung für das gewaltsame und ungerechte Vorgehen der hohen chinesischen Behörden gegenüber den Beamten und Untertanen Ihrer Britischen Majestät zu verlangen und zu erhalten, stimmt der Kaiser von China zu, die Summe von zwölf Millionen Dollar für die entstandenen Kosten zu zahlen; und der Bevollmächtigte Ihrer Britischen Majestät stimmt freiwillig zu, im Namen Ihrer Majestät von dem genannten Betrag von zwölf Millionen Dollar alle Beträge abzuziehen, die von den vereinigten Streitkräften Ihrer Majestät nach dem 1. August 1841 als Lösegeld für Städte und Ortschaften in China erhalten wurden.

Artikel 7

Es wird vereinbart, dass der Gesamtbetrag von einundzwanzig Millionen Dollar, der in den drei vorhergehenden Artikeln beschrieben ist, wie folgt gezahlt werden soll:

Sechs Millionen sofort.

Sechs Millionen im Jahre 1843. Das heißt: Drei Millionen am oder vor dem 30. des Monats Juni und drei Millionen am oder vor dem 31. des Monats Dezember.

Fünf Millionen im Jahr 1844. Das heißt: Zweieinhalb Millionen am oder vor dem 30. Juni und zweieinhalb Millionen am oder vor dem 31. Dezember.

Vier Millionen im Jahr 1845. Das heißt: Zwei Millionen am oder vor dem 30. Juni und zwei Millionen am oder vor dem 31. Dezember.

Es wird festgelegt, dass die chinesische Regierung Zinsen in Höhe von 5 Prozent pro Jahr auf alle Teile der oben genannten Summen zahlen soll, die nicht pünktlich zu den festgelegten Zeitpunkten beglichen werden.

Artikel 8

Der Kaiser von China stimmt zu, alle Untertanen Ihrer Britischen Majestät (ob nun in Europa oder Indien geboren), die sich zu diesem Zeitpunkt in irgendeinem Teil des chinesischen Reiches in Gefangenschaft befinden, bedingungslos freizulassen.

Artikel 9

Der Kaiser von China stimmt zu, durch persönliche Unterschrift und Siegel eine vollständige Amnestie und einen Indemnitätsbeschluss [Beschluss über die Freistellung von rechtlichen Folgen] für alle Untertanen Chinas, die sich unter Ihrer Britischen Majestät aufgehalten, in Ihren Dienst getreten oder mit den Offizieren Ihrer Majestät in Kontakt standen, zu veröffentlichen und zu verkünden; und Seine Kaiserliche Majestät verpflichtet sich ferner, alle chinesischen Untertanen freizulassen, die zu diesem Zeitpunkt aus ähnlichen Gründen in Gefangenschaft sind. 

Artikel 10

Seine Majestät, der Kaiser von China, stimmt zu, in allen Häfen, die durch den zweiten Artikel dieses Vertrages für britische Kaufleute geöffnet werden, einen gerechten und gleichmäßigen Tarif für Export- und Importzölle und andere Abgaben einzuführen, der öffentlich bekannt gegeben und zur allgemeinen Information veröffentlicht werden soll; und der Kaiser verpflichtet sich weiterhin, dass, wenn britische Waren einmal in einem der besagten Häfen die geregelten, mit dem später festzulegenden Tarif übereinstimmenden Zölle und Abgaben, bezahlt haben, solche Waren von chinesischen Kaufleuten in jede Provinz oder Stadt im Inneren des Kaiserreichs China befördert werden können, sofern sie einen weiteren Betrag als Transitzoll bezahlen, der nicht mehr als      Prozent des Zollwerts dieser Waren betragen darf.

Artikel 11

Es wird vereinbart, dass der Oberste Hohe Beamte Ihrer Britischen Majestät in China mit den chinesischen Hohen Beamten sowohl in der Hauptstadt als auch in den Provinzen unter der Bezeichnung „Mitteilung“ [照㑹 (chinesische Schriftzeichen im Original)]; die untergeordneten britischen Beamten und die hohen chinesischen Beamten in den Provinzen erstere unter der Bezeichnung „Erklärung“ [申陳 (chinesische Schriftzeichen im Original)] und letztere unter „Bekanntgabe“ [劄行 (chinesische Schriftzeichen im Original)] und die untergebenen [Beamten] beider Länder in völliger Gleichheit korrespondieren sollen. Die Kaufleute und andere Personen, die keine offizielle Stellung innehaben und daher oben nicht erwähnt wurden, sollen auf beiden Seiten in allen Schriftstücken, die an die jeweiligen Regierungen gerichtet oder zur Kenntnisnahme bestimmt sind, die Bezeichnung „Bericht“ [禀明 (chinesische Schriftzeichen im Original)] verwenden. 

Artikel 12

Sobald die Zustimmung des Kaisers von China zu diesem Vertrag vorliegt und die erste Rate des Geldes gezahlt ist, werden sich die Streitkräfte Ihrer Britischen Majestät aus Nanking [Nanjing] und dem Großen Kanal zurückziehen und den Handel Chinas nicht mehr stören oder unterbrechen. Der Militärposten in Chinhai [Zhenhai 鎮海] wird ebenfalls abgezogen, aber die Inseln Koolangsoo [Gulangyu 鼓浪嶼] und Chusan [Zhoushan 舟山] werden weiterhin von den Streitkräften Ihrer Majestät gehalten werden, bis die Geldzahlungen und die Vorkehrungen zur Öffnung der Häfen für britische Kaufleute abgeschlossen sind. 

Artikel 13

Die Ratifizierung des Vertrages durch Ihre Majestät, die Königin von Großbritannien, etc., und Seine Majestät, den Kaiser von China, soll ausgetauscht werden, sobald die große Entfernung, die England von China trennt, dies zulässt; aber in der Zwischenzeit sollen die von den Bevollmächtigten im Namen ihrer jeweiligen Herrscher unterzeichneten und besiegelten Abschriften des Vertrages gegenseitig ausgehändigt werden und alle seine Bestimmungen und Vereinbarungen sollen in Kraft treten.

Geschehen zu Nanking, unterzeichnet und besiegelt von den Bevollmächtigten an Bord des Schiffes Ihrer Britischen Majestät „Cornwallis“, am neunundzwanzigsten August 1842, entsprechend dem chinesischen Datum, dem vierundzwanzigsten Tag des siebten Monats im zweiundzwanzigsten Jahr des Taou-Kwang [Daoguang 道光].

(Originaltext: https://en.wikisource.org/wiki/Treaty_of_Nanking. Übersetzung: Jonas Schmid, 22.08.2022)


Literaturempfehlung

Eine ausführliche Schilderung zu Hintergründen und Verlauf des Opiumkrieges bieten:

  • Mao Haijian. The Qing Empire and the Opium War: The Collapse of the Heavenly Dynasty. Cambridge: Cambridge University Press, 2016.
    Mao Haijian analysiert in seinem Werk vor allem die chinesische Seite –unter anderem ausführlich, warum die Truppen der Qing-Armee den britischen Truppen unterlegen waren. 
  • Julia Lovell. The Opium War: Drugs, Dreams and the Making of China. London: Picador, 2012.
    Julia Lovell bietet einen spannend geschriebenen Überblick über den Verlauf des Opiumkrieges.
  • Einen knapperen, reich bebilderten Überblick bietet außerdem ein Essay von Peter C. Perdue auf der Plattform Visualizing Cultures.